Kürsinger Hütte – 29. April 2024

Sommerintermezzo

Das Sommerintermezzo nach Ostern hatte mir der Planung für eine mehrtägige Skitour mit Hüttenübernachtungen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nachdem die Temperatur wieder zurückgegangen war und es in den Bergen kräftig geschneit hat, war jedoch das Wetter für eine Mehrtagesskitour nicht einladend. Zudem hatte ich in der Arbeit feste Termine, die ich ungern aufschieben wollte. Endlich, Ende April schienen die Bedingungen günstig und ich machte mich auf die Suche nach einer passenden Hüttenunterkunft. Die vorausgegangenen winterlichen 2 Wochen ließen mich in dem Glauben der freien Hüttenwahl, jedoch weit gefehlt. Alle Hütten waren entweder bereits geschlossen oder beendeten ihre Saison mit dem letzten Aprilwochenende.

Vorbereitung

Hätte Christa am Freitag nicht bereits spontan zugesagt, hätte ich die Unternehmung mit Sicherheit zu diesem Zeitpunkt ad acta gelegt. So aber machte ich mich auf die weitere Suche und letztendlich verblieben die Hohen Tauern mit der Essener-Rostocker Hütte und der Kürsinger Hütte als Fels in der Brandung. Zu meiner Verwunderung hatte ich die Kürsinger Hütte bis dato nie im Fokus gehabt. Auch deshalb entschied ich mich für die Kürsinger Hütte. Am Sonntag Vormittag reservierte ich unsere Hüttenübernachtungen und das Hüttentaxi vom Hopffeldboden bis Postalm. Ein Aufstieg zu Fuß vom Hopffeldboden bis zur Postalm käme einer Strafe gleich. Die Zusammenstellung der erforderlichen Utensilien und gleichwohl die Transportlast möglichst gering zu halten, ist jedes Mal ein nervenaufreibender Unterfangen mit wenig Spaßfaktor.

Obersulzbachtal oberhalb der Obersulzbachhütte
Obersulzbachtal oberhalb der Obersulzbachhütte

Nun hieß es die Anreise mit ausreichender Zeitreserve für das Taxi zu planen. Tatsächlich erreichten wir den Hopffeldboden um 11:00 Uhr und konnten pünktlich um 11:30 Uhr unsere Auffahrt mit unserem sympathischen Fahrer Uwe antreten. Mit im Taxi war ein weiterer Bergsteiger aus St. Pölten. Er hatte seine Anreise mit dem Zug inklusive 2x Umsteigen und einer weiteren Taxifahrt gewagt.

Loch in der Schneedecke lässt den Obersulzbach kurz unterhalb des Gletschersees hervorschauen
Loch in der Schneedecke lässt den Obersulzbach kurz unterhalb des Gletschersees hervorschauen
Los geht’s

Von der Postalm musste wir noch ca. 100 Höhenmeter zu Fuß aufsteigen bis der Aufstieg mit Skier möglich war. Der Anstieg führt durch das Obersulzbachtal zum Gletschersee auf ca. 2.200 Hm. Auf Höhe des zugefrorenen Gletschersees machte sich bereits der Föhnwind bemerkbar. Dieser Föhnwind mit Böen bis zu 80 km/h sollte uns die beiden kommenden Tage weiter begleiten. Im Bereich des Gletschersees, der im Jahr 2003 entstanden war, breitete sich vor Jahrzehnten ein wild zerrissener Eisbruch mit eigenwillig anmutendem Namen „Türkische Zeltstadt“ aus. Nachdem man den zugefrorenen Gletschersee überquert hat, geht es entgegen dem Uhrzeiger Sinn in weitem Bogen über 270° hinauf zur Kürsinger Hütte.

Großvenediger im Osten - vom Gletschersee
Großvenediger im Osten – vom Gletschersee
Tragischer Alpinunfall

Anfang August 2001 hatte sich auf Höhe des heutigen Gletschersees am unteren Ende des nach Südwesten ausgerichteten Moränenhangs ein tragischer Bergunfall mit 3 Opfern als Folge eines schweren „Steinschlags“ ereignet, siehe Eine tödliche Falle – von Heinz Slupetzky. Damals reichte der Obersulzbachkees noch bis hinunter auf die Höhe des heutigen Gletschersees.

Dr. Harald Klein