Musik

Aller Anfang ist Musik

Bereits in meiner frühen Kindheit hatte Musik eine elementare Wirkung auf mich. Der Schlager „Wenn der Mondschein nicht so romantisch wär“ von Thomas Fritsch aus dem Jahr 1963 ist mein erstes mir in Erinnerung gebliebenes Lieblingslied. Noch heute bin ich stolzer Besitzer der Single zu diesem Lied.

"Wenn der Monschein nicht so romantisch wär" von Thomas Fritsch - Single
„Wenn der Mondschein nicht so romantisch wär“ von Thomas Fritsch – Single
Hammondorgel

Im Lauf der Zeit begann ich zu unterscheiden, welche Art von Klänge mein Interesse wecken und sich auf meine Lust & Laune positiv auswirken. So hinterließ im Jahr 1966 erstmals der Klang der Hammondorgel aus der Titelmelodie „Raumpatrouille Orion“ bewusst Eindruck bei mir.

Ausschnitt aus Titelmelodie „Raumpatrouillie Orion“

Diese Begeisterung für die Hammondorgel wurde ein paar Jahre später durch die Songs „House of the Rising Sun“ in der Version von den Animals und „Fire“ von Arthur Brown mit Vincent Crane an der Orgel verstärkt. Bis heute kann ich von diesen genialen Interpretationen nicht genug bekommen.

Musikverständnis

Als ich 1969 ins Erasmus Grasser Gymnasium in München wechselte, hatte mir unser damaliger Musiklehrer, Herr Paul Amtmann, die Tür für mein generelles Musikverständnis geöffnet. So durfte ich auch im Schulchor singen. Als begnadeter und leidenschaftlicher Orchester-, Chor- und Theatergruppenleiter war Herr Amtmann zudem erster Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft für das Schulspiel“ – heute „LAG Theater und Film an den bayerischen Schulen e.V.“. Die „Arbeitsgemeinschaft für das Schulspiel“ wurde 1956 vom Bayrischen Kultusministerium gegründet und sollte für die Aus- und Fortbildung der Lehrer aller bayerischer Schulen zuständig sein. Als langjähriger Vorsitzender der „Bundesarbeitsgemeinschaft Darstellendes Spiel“ und Herausgeber der bundesweiten Zeitschrift „Das Spiel in der Schule“ machte Herr Amtmann zudem das bayerische Schultheater in ganz Deutschland bekannt.

Paul Amtmann - Musiklehrer und begnadeter Theatergruppen-, Orchester- und Chorleiter
Paul Amtmann – Musiklehrer und begnadeter Theatergruppen-, Orchester- und Chorleiter
Subject Esq.

Zurück zu meinen ersten Erfahrungen im Schulchor. Jedes Jahr zu Weihnachten gab es eine unsere Turnhalle füllende Aufführung mit Orchester und Chor. Zum Schuljahresende stand unsrer Schule der Herkulessaal der Residenz als Aufführungsort zur Verfügung – vermutlich begründet im persönlichen Engagement von Herrn Amtmann für das Bayrische Kultusministerium. Herr Amtmann liebte zudem Experimente und stand der aufstrebende progressive Rockmusik offen gegenüber. Zu dieser Zeit war die deutsche progressive Rockband Subject Esq. in Vorbereitung zur Veröffentlichung ihrer ersten LP. Die Mitglieder der Band hatten ihre Wurzeln im Erasmus Grasser und Ludwigs Gymnasium in München und waren allesamt begnadete Musiker und Komponisten. So kam es, dass Herr Amtmann das Zusammenspiel der Band Subject Esq. mit Orchester und Chor wagte. Heute kann ich nicht mehr sagen, in welchem Jahr dieses Experiment stattgefunden hat – Weihnachten 1970 oder Weihnachten 1971.

E-Bass

Dieses Experiment verbunden mit dem Live-Erlebnis der Band bei den Proben beeindruckte mich tief. Dies sollte der Grundstein für meine Begeisterung und Leidenschaft für die progressive Rockmusik werden. Für das Konzert wurden die beiden Stücke „Mammon“ und „Durance is Waiting“ von Subject Esq. gemeinsam erarbeitet und vorgetragen. Mit letzterem der beiden Stücke begann meine Faszination für den Klang des E-Basses gespielt von Stefan Wissnet.

Ausschnitt aus Song „Durance is Waiting“ von Subject Esq.

Wer kann bei diesen Klängen nicht in Verzückung geraten. Den zauberhaften Übergang von Part 2 zu Part 3 von „Durance is Waiting“ spielt Paul Vincent auf der E-Gitarre. Mit Beginn des Verses übernimmt der E-Bass die Harmonie ergänzt um geniale kleine Verzierungen.

Noten für 1. Geige zum Song "Mammon" von Subject Esq. - Arrangement von Dr. Jäger Musiklehrer am Erasmus Grasser Gymnasium
Noten für 1. Geige zum Song „Mammon“ von Subject Esq. – Arrangement von Dr. Jäger Musiklehrer am Erasmus Grasser Gymnasium
progressive Rockmusik

Im Jahr 1972 verfiel ich der progressiven Rockmusik endgültig. Zu meinem Glück war meine jüngere von meinen beiden älteren Schwestern Ginde mit einer Gruppe von 3 bis 5 Jahre älteren Freunden gut vernetzt. So durfte ich damals die ersten beiden Alben von Procol Harum „Procol Harum“ und „Shine On Brightly“ von Motz ausleihen und konnte diese auf meiner kleinen Telefunken Anlage auf Kassette aufnehmen. Mit diesen beiden Alben war meine Leidenschaft für die progressive Rockmusik nicht mehr zu bremsen. Ich verspürte erstmals das Gefühl einer Sucht. Urplötzlich öffnete sich mir die offensichtlich unendliche Vielfalt der progressiven Rockmusik. Hinzu kam, dass dieser Musikstil zum Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre seine Hochzeit hatte. Im Laufe des Jahres wurde ich von den Meisterwerken von Bands wie The Doors, King Crimson, Genesis, The Moody Blues, Fleetwood Mac, Carlos Santana, Colosseum, Emerson Lake & Palmer, Yes, Nice, etc. förmlich erschlagen.

Goldschätze

22,00 DM für eine Schallplatte waren zu dieser Zeit nicht wenig Geld und die Empfindlichkeit von Schallplatten machte diese zu einem wertvollen Objekt der Begierde. So hatte man damals nicht jedem Freund die wertvollen Stücke seiner Sammlung verliehen. Ich war allseits für meine Achtsamkeit bekannt, so dass mir die Tonträger zumindest für kurze Zeit zur Verfügung gestellt wurden. Für mich waren diese Plattensammlungen Goldschätze von unermesslichem Wert.

Anziehend

Im Herbst 1972 war ich von der LP „Harvest“ von Neil Young besonders angetan und bis zum heutigen Tag erinnert mich die Musik von „Harvest“ an die trübe Herbststimmung von 1972. Verstärkt wird diese Erinnerung durch meine damals erste „sinnliche“ Erfahrung mit dem anderen Geschlecht. Ich hatte einen Freund namens Manfred der diesbezüglich ein Draufgänger war. Er hatte zwei Mädchen, Gabriele und Claudia, aus der Basler Straße angesprochen und es begab sich für mich zum ersten Mal, dass wir uns früh abends zum Spazieren gehen trafen. Ein für mich damals besonders emotionales Gefühl hinterließ ein Klaps von Claudia auf meiner Backe. Ich hatte Claudia wohl provoziert, so dass sie mir als Antwort diesen Klaps verpasst hat. Ich empfand diesen Berührung als Ritterschlag – erstmals hatte mir ein Mädchen seine emotionale Zuneigung deutlich gemacht.

Unsinnig und meisterwerke

Genug der Nickligkeiten und zurück zur progressiven Rockmusik. Damals galt für mich progressive Rockmusik als Domäne von Jungs und prätentiös gesagt, waren Mädchen dieser anspruchsvollen Musik nicht gewachsen. Was für ein Unsinn! Meine Schwester Ginde war jedoch tatsächlich eines der wenigen Mädchen, deren Plattensammlung ebenfalls mit progressiver Rockmusik gut bestückt war und dazu gehörten einige musikalische Meisterwerke wie:

„Atom Heart Mother“ von Pink Floyd
„Lizard“ von King Crimson
„Seventh Sojourn“ von The Moody Blues
„Beggar Julia’s Time Trip“ von Exseption
„Thick as a Brick“ von Jethro Tull
„Wish you were here“ von Pink Floyd
„Ommadawn“ von Mike Oldfield

eigene Langspielplatten

Besonders angetan hatten es mir zu dieser Zeit die Alben „Act One“ von Beggars Opera, „Spooky Two“ von Spooky Tooth und „In Hearing of“ von Atomic Rooster. Weihnachten 1972 sollte den nächsten Meilenstein in meiner Leidenschaft für progressive Rockmusik setzen. Ich konnte nun endlich die erste Langspielplatte mein Eigen nennen:

„Stand up“ von Jethro Tull

Mein 2tes Album hatte ich mir im Februar oder März 1973 von meinem eigenen Ersparnissen gekauft. Nachdem ich von „Act One“ grenzenlos begeistert war, legte ich mir „Waters of Change“ von Beggars Opera zu. Leider hatte ich von dem Album wohl zu viel erwartet, was auch wenig verwundert, indem ich von „Act One“ vollends begeistert war. Man muss ergänzen, dass man damals vor dem Kauf einer Schallplatte nicht die Möglichkeit hatte diese vollständig Probe zu hören. Es gab zwar z.B. bei Lindberg in der Münchner Sonnenstraße Kabinen in denen man die Schallplatten auf installierten Anlagen anhören konnte, jedoch standen laufend Interessenten Schlange und so konnte man lediglich sehr begrenzte Zeit eine Platte Probe hören.

Pink Floyd

Meine dritte Schallplatte sollte jedoch die Wucht schlechthin werden, das Album aller Alben:

„Dark Side of the Moon“ von Pink Floyd

Mit diesem Masterpiece wurde ich 1973 zu meinem 14ten Geburtstag beglückt. Um an der Musik von „Dark Side of the Moon“ so lange wie möglich Gefallen zu behalten, hatte ich mir es damals zur Pflicht gemacht, die Schallplatte lediglich einmal am Tag anzuhören. Von da an war ich der Band Pink Floyd vollkommen erlegen. In Büchereien, in Zeitschriften und sogar in der Staatsbibliothek, überall hatte ich nach Informationen über Pink Floyd recherchiert. Aus Gründen der Abwechslung hatte ich mir als viertes Album die erste LP „Grobschnitt“ von Grobschnitt zugelegt, bevor ich endlich das bereits seit längerem anvisierte Album

„Meddle“ von Pink Floyd

mein Eigen nennen durfte. Von dem 23 Minuten und 31 Sekunden langem Stück „Echoes“ auf der 2ten Schallplattenseite konnte ich nie genug bekommen. Bis heute gilt meine Begeisterung diesem Stück, das ähnlich einem klassischem Konzert aus dem wiederkehrenden Hauptthema und drei Seitenthemen aufgebaut ist, wobei das dritte Seitenthema über einen Spannungsbogen zum Hauptthema zurückführt.

Idole

Die vier Musiker von Pink Floyd – Rick Wright, David Gilmour, Nick Mason und Roger Waters – waren meine unerreichten Idole.

Roger Waters, Nick Mason, David Gilmour und Rick Wright von Pink Floyd
Roger Waters, Nick Mason, David Gilmour und Rick Wright von Pink Floyd

Über die nächsten Jahre legte ich mir die Alben „Ummagumma“, „A Saucerful of Secrets“ und „The Piper at the Gates of Dawn“ als „A Nice Pair“ sowie „Animals“ zu. Nach „Wish you were here“, dem nächsten Masterpiece von Pink Floyd hatte ich 1977 das Album „Animals“ bereits sehnsüchtig erwartet – dazu gleich mehr. Wie oft ich mir den Film „Pink Floyd Live at Pompeii“ im Kino angesehen habe, kann ich heute nicht mehr sagen, allerdings müsste es zumindest 3x gewesen sein. Jeder Kinobesuch war für mich ein besonderes Highlight.

Coming Closer

Mit Herauswachsen aus der Pubertät fühlte ich mich optisch meinen Idolen näher denn je. Indem ich es David auf der Gitarre nicht gleich tun konnte, wollte ich es zumindest mit meiner Haartracht tun.

Studientour in Tours im August 1977
Studientour in Tours – August 1977
Relikt

Indem ich weiterhin nach Relikten von Pink Floyd Ausschau hielt, war ich besonders stolz auf eine Schwarzpressung, die ich ergattern konnte. Es handelt sich um eine Live Doppel LP.

Pink Floyd Schwarzpressung Live Doppel-LP Vorderseite
Pink Floyd Schwarzpressung Live Doppel-LP Vorderseite
Pink Floyd Schwarzpressung Live Doppel-LP Rückseite
Pink Floyd Schwarzpressung Live Doppel-LP Rückseite

 

 

 

 

 

 

 

 

Unbedarft wie ich damals war, vermutete ich, dass es sich bei der Abbildung auf dem Cover um eine Schlange handelt. Bis ich begriff, dass es sich um eine anrüchige Darstellung handelt, die ich bewusst nicht vollständig zeigen möchte.

Konzerte

Zurück zu dem Album „Animals“, das ich anfänglich weit unterschätzt hatte. Grund war meine übersteigerte Erwartungshaltung nach den für mein Dafürhalten genialen Vorgängern „Atom Heart Mother“, „Meddle“, „Dark Side of the Moon“ und „Wish you were here“. Als Anfang 1977 das Album „Animals“ veröffentlicht wurde, war ich von den Gesangspassagen wenig begeistert.

Hinzu kam, dass ich mich damals noch grämte das Konzert von 1973, auf dem mein Lieblingsstück „Echoes“ gespielt wurde, „versäumt“ zu haben. Es war das Zusammenwirken zweier Gründe, dass ich das 73er Konzert nicht besucht hatte. Zum einen war ich damals gerade 14 Jahre und hätte nur gemeinsam mit meiner gut 2 Jahre älteren Schwester Ginde das Konzert besuchen dürfen und zum anderen musste ich abwägen entweder eine Konzertkarte oder eine Schallplatte kaufen zu können. So hatte ich zu hohe Erwartungen in das Album „Animals“ gelegt. Zudem hatte ich bereits sehnsüchtig das für Ende Februar 1977 geplante Konzert zur Veröffentlichung des Albums „Animals“ erwartet.

Wie so oft im Leben kommt man auch bei Musikstücken erst im Lauf der Zeit auf den Geschmack. So war es auch mit dem Album „Animals“. Ich möchte lediglich auf das Entree zum Stück „Sheep“ eingehen. Ein Freund beschreibt das improvisierende Spiel von Rick Wright am Keyboard treffend als „Herummäandern zwischen Schafen“. Der unterlegte E-Bass von Roger Waters im Entree verstärkt zudem die klangliche Leichtigkeit des Keyboardspiels von Rick.

Gitarre

Von 1974 an hatte ich ein langfristiges Ziel – Gitarre spielen zu lernen. Der damalige Freund meiner ältesten Schwester Sigrun hatte in einer Band E-Gitarre gespielt. Harald, mein Namensvetter, hatte mir die Grundbegriffe des Gitarrenspiels mit den wesentlichen Akkorden beigebracht. Bald schon wurde mir bewusst, dass meine Stimme für die Gitarre als Begleitinstrument nicht ausreichend gut war und ich zunehmend vom Klang der klassischen Konzertgitarre begeistert war. So kam es, dass ich das klassische Gitarrenspiel erlernen wollte. Meine Eltern unterstützten mein Interesse vollumfänglich und ich hatte das Glück damals Schüler des ausgezeichneten Gitarrenlehrers Jirko Jangl zu werden.

Gitarrenspiel bei Jirko - Weihnachten 1981
Gitarrenspiel bei Jirko – August 1982
Motivieren

Zurück zu unserem Musiklehrer – Herr Amtmann hatte damals par excellence das Interesse seiner Schüler für den Musikunterricht geweckt. Anhand von klassischen Orchester- und Klavierkonzerten hatte Herr Amtmann uns den musikalischen Aufbau von Musikstücken erläutert. Damit war das Rüstzeug für ein grundlegendes Musikverständnis gelegt. Im nächsten Schritt sollte für eine Verinnerlichung jeder Schüler in einem Referat versuchen, die musikalische Struktur von einem eigens ausgewählten Musikstück zu beschreiben. Dies war für sich genommen nichts Besonderes. Der Clou dabei war, dass jeder von uns Schülern sein eigenes Lieblingsstück, gleichgültig aus welchem Genre, auswählen durfte. Selbstredend, das auserwählte Stück durfte zum Referat in voller Länge auf der Anlage unseres Musikraums abgespielt werden. Ich hatte mir damals den Song „Light my Fire“ von The Doors ausgesucht. Ohne mit einer Analyse des Stücks langweilen zu wollen, eines sei erwähnt, der Song beginnt mit einem genialen Intro von Ray Manzarek auf der … Orgel.

Ausschnitt aus Song „Light My Fire“ von The Doors

Die Harmonie des Intros ergibt sich in A-Dur wie folgt:

| – G – D – | – F – A# – | – D# – G# – | – A – A – |

Offensichtlich wurde das Mastertape für die Plattenpressung geringfügig langsamer abgespielt. Deshalb entspricht die Originalaufnahme etwa einer in As-Dur transponierten Harmonie:

| – Gb – Db – | – E – A – | – D – G – | – Ab – Ab – |

Viel Spaß beim Mitspielen!

Dr. Harald Klein